Heimatgeschichten – Aus dem Dietzhölztal nach Texas III

Teil 3 – Die Gründung von Fredericksburg

 Am 8. Mai 1846, einem Freitag, erreichte der Siedlerzug endlich gegen Abend sein Ziel. Die Reise hatte 16 Tage gedauert, viel länger als geplant und war für alle Emigranten sehr anstrengend. Die Erwartungen der Menschen waren hoch, sie hofften fruchtbares Land und gute Bedingungen für ihr neues Leben zu finden. Doch die Realität war ernüchternd. Es gab zwar üppige Vegetation, aber nur in Form von dichtem Urwald und riesigen Eichenbäumen. Außer dem angefangenen Blockhaus war dort kein Zeichen von Zivilisation zu finden.
Am Fuße der großen Eichen schlugen die müden Siedler ihr erstes Nachtlager in der neuen Heimat auf. Sie hatten ihre Beute, den Bären und den Panther, mitgenommen und auf einem großen Lagerfeuer das Fleisch dieser Tiere gebraten. Die Gruppe feierte ihre Ankunft bei einem gemeinsamen Abendessen in der neuen Heimat voller Hoffnung auf eine gute Zukunft.
Am nächsten Morgen besichtigten die Siedler die Umgebung näher. Sie fanden nur Urwald mit prächtigen Bäumen, „gigantischen Waldriesen“. „Da fanden sie denn, daß man den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen konnte“. Der Lagerplatz war auf zwei Seiten von einem rauschenden klaren Bach eingegrenzt. In dem tiefen Wasser schwammen große Fische. Der Uferbereich war sumpfig mit hohem Schilf und vielen, teilweise giftigen, Tieren wie Schlangen und Eidechsen. Die Siedler fanden das Versteck mit den Werkzeugen und rodeten in den ersten beiden Tagen einen kleinen Platz. Sie errichteten auf die Schnelle einige Notunterkünfte, Zelte und Laubhütten, um gegen Wind, Wetter und wilde Tiere geschützt zu sein.

 Die Vereinssoldaten hatten jedoch den Auftrag, schnellstmöglich nach New Braunfels zurückzukehren. Bereits am folgenden Montag, am 11. Mai, zogen die 8 Vereinssoldaten mit sämtlichen Ochsenkarren, den Fuhrleuten und einigen jungen, starken und kampffähigen Männern ab.
Die übrigen Familienväter blieben mit ihren Frauen und Kindern in der Wildnis auf sich allein gestellt zurück. Die Situation war äußerst schwierig, doch mit Mut, Hoffnung und Zuversicht stellten sie sich den unbekannten Gefahren ihrer neuen Heimat. Schritt für Schritt begannen sie, das Gelände zu roden und die provisorischen Unterkünfte weiter auszubauen. Nach und nach entstand eine kleine Stadt.

John O. Meusebach, der offizielle Leiter der Expedition, nannte diese Siedlung Friedrichsburg – zu Ehren des Prinzen Friedrich von Preußen, ebenfalls ein Mitglied des Adelsvereins. Später wurde die Stadt in Fredericksburg umbenannt.

Historische Aufnahme von Fredericksburg

 Jede Familie erhielt ein Grundstück in der Stadt sowie zusätzliches Land außerhalb zur Bewirtschaftung. Die ersten Gebäude wurden aus Holz und Tierhäuten errichtet, später folgten dauerhafte Bauten aus Stein und Holz. In den ersten Jahren wuchs die Stadt rasch. Es wurden Straßen nach Austin gebaut, Geschäfte eröffnet und 1848 ein Fort zur Sicherung der Siedlung errichtet. Ein wichtiger Meilenstein war der Friedensvertrag mit den Komantschen. Am 1. März 1847 verhandelte Meusebach unbewaffnet mit mehreren Komantschen-Stämmen. Die Vereinbarung ermöglichte es den Siedlern, das Land entlang des Llano River zu bewirtschaften, während die Komantschen freien Zugang zur Stadt erhielten. Im Gegenzug versprach Fredericksburg, die Komantschen in Hungerzeiten mit Getreide zu versorgen und erhielt dafür Wild, Honig und Bärenfett.

50 Jahre nach der Gründung hatte sich Fredericksburg zu einem blühenden Bergstädtchen entwickelt. Von den Siedlern des ersten Zugs, die aus dem Dietzhölztal stammten, lebten damals noch folgende Personen in Fredericksburg:

  • Die beiden Brüder Wilhelm und August Arhelger. (Die Eltern Jacob und Katharina waren zwischenzeitlich verstorben. Heinrich Arhelger wurde am 14.02.1863 von Indianern ermordet).

  • Heinrich Strackbein, Sohn Christian und Tochter Katharina (die Mutter Anna Elisabeth war bereits in 1847 verstorben). Katharina war verheiratet mit John Durst aus Dettenhausen.

  • Heinrich Eckhard, der Schwager von Heinrich Strackbein


John O. Meusebach verstarb am 27.05.1897 in Loyal Valley/Texas. Die Gedenktafel befindet sich an seinem Geburtshaus in der Wilhelmstr. 16 in Dillenburg.

 

Aufnahme der Enthüllung der Gedenktafel in Dillenburg