Armin Wickel entführte rund 100 Gäste in die Vergangenheit der Neuhütte
„Die Geschichtswerkstatt präsentiert!“ ist eine Vortragsreihe im Nationalen Automuseum in Ewersbach zu interessanten Themen bei freiem Eintritt.
Jetzt berichtete Armin Wickel über die wechselvolle Geschichte der Neuhütte vom 15. bis ins 19. Jahrhundert. Dabei steht „Neuhütte“ sowohl für den Ort als auch für eines der ältesten Hüttenwerke der Lahn-Dill-Region. Zusammen mit Karl-Heinz Sticher hat er intensiv im Hessischen Staatsarchiv, in historischen Kirchenbüchern und Steuerlisten sowie in vielen weiteren Quellen recherchiert und die Entwicklung detailliert aufgezeigt. Dabei fanden beide heraus, dass in Dietzhölztal schon sehr früh Fachkräfte aus ganz Deutschland und z. B. aus Belgien (Wallonen) eingewandert sind und mit ihrem Wissen die heimische Eisenindustrie aufgebaut haben. Rennöfen zur Eisengewinnung wurden im oberen Dietzhölztal schon ab 900 n. Chr. bei Ausgrabungen von
Prof. Albrecht Jockenhövel nachgewiesen. Die Kelten in Rittershausen „auf der Ley“ haben bereits vor 2500 Jahren Eisen geschmiedet. Durch diese
„erste Industrie“ kam auch bescheidener Wohlstand in die Region und die Einwohner waren nicht mehr nur von der kargen Landwirtschaft abhängig.
Anhand von Einträgen in Kirchenbüchern und Steuerlisten, konnte Wickel die Entwicklung des Ortes und der Industrie mit Familien verknüpfen und fortschreiben. Ihre Namen tauchten dabei immer wieder in Gerichtsakten auf, wenn es um Streitigkeiten, z. B. um Wasserrechte für den Antrieb von Wasserrädern der Hammerwerke, ging. So nahm er die Geschichtsinteressierten mit auf die spannende Reise durch über 600 Jahre Dietzhölztaler „Eisen-Geschichte“ – mit vielen kleinen Anekdoten – und konnte Familiennamen, die noch heute in den Ortsteilen existieren, über Jahrhunderte zurückführen. Selbst ein Vorfahre von ihm, Johann Jost Wickel, war von 1763 bis 1788 Hüttenverwalter der Neuhütte.
Für seinen tiefen, einstündigen Einblick in die Entwicklung der Neuhütte gab es großen Applaus. Im Anschluss tauschten sich die Besucher – bei einer deftigen Haubergssuppe im Restaurant des Nationalen Automuseums – mit Armin Wickel aus und kamen untereinander ins Gespräch.
Am 8. April wird die Reihe mit „Unser Lahn-Dill-Bergland zwischen Kelten und Römern“ von Prof. Dr. Hannelore Daniel fortgesetzt.