Auf den Spuren der alten Eisenhüttenleute am 06.03.2024

Auf den Spuren der alten Eisenhüttenleute

Vom Rennofen zum Hochofen – Vortrag von Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel

 

DIETZHÖLZTAL-EWERSBACH. In den 1990er-Jahren hat Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel über einige Jahre intensive Feldforschung rechts und links der Dietzhölze und den Nachbartälern, bis hin zur Kalteiche mit seinen Mitarbeitern und Studenten von der Universität Münster betrieben. Dabei wurden rund 325 historische Schlackenplätze mit ca. 1400 kleinen mittelalterlichen Rennöfen gefunden und katalogisiert. Über die Ergebnisse und die daraus gewonnen Erkenntnisse berichtete er jetzt auf Einladung der Geschichtswerkstatt Neuhütte Dietzhölztal e. V. in der historischen Johanneskapelle.

Großes Interesse am Vortrag von Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel – bis auf den letzten Platz war die histor. Johanneskapelle gefüllt Foto: Jürgen Reichel

Über 2500 Jahre „Eisenland“ an der Dietzhölze
Über 2500 Jahre Eisenverarbeitung ist an der Dietzhölze nachweisbar. Schon die Kelten, die in der späthallstatt-frühlatènezeitlichen Siedlung „Burg“ bzw. „Lay“ in Rittershausen lebten, schmiedeten daraus Waffen, Werkzeuge und weitere Alltagsgegenstände. Daher hatte der Professor für ur- und frühgeschichtliche Archäologie, die Vermutung und Hoffnung, erste Eisengewinnung aus dem Erz aus dieser sehr frühen Zeit zu finden. Dieser Nachweis konnte aber bisher trotz intensiver Prospektionen und Grabungen nicht erbracht werden. Vielmehr wird vermutet, dass es schon vor über 2500 Jahren einen regen Handel mit dem benachbarten Siegerland gab und von dort das Roheisen geholt wurde. Erste Rennöfen rechts und links der Dietzhölze konnten um die Zeit 900 nach Christus datiert werden, mit einem Höhepunkt um 1200 – 1300. Dabei wurde das hochwertige Roteisen-Eisenerz (mit bis 80 % Eisengehalt) aus dem Scheldetal geholt. Da im Scheldetal, neben dem für Rennöfen notwendigen Lehm, wahrscheinlich auch der zweite Rohstoff für die Verhüttung, das Holz, nicht frei verfügbar war, wurde das Erz an die Dietzhölze gebracht und hier das Eisen daraus gewonnen, stellte Prof. Dr. Jockenhövel den Zusammenhang her. Darauf weisen heute noch verschiedene historische Hohlwege hin. Aber selbst der Waldreichtum im Bereich der Dietzhölze ging im späten Mittelalter langsam zur Neige. Daraus könnte sich die nachhaltige Haubergswirtschaft ab dem 15. Jh. entwickelt haben. In vielen Haubergen deuten noch heute flache, runde Strukturen auf Platzmeiler hin, denn nur die Holzkohle brachte die notwendige Schmelztemperatur von ca. 1100 °C. In diesen zeitlichen Kontext gehören die ältesten wasserkraftbetriebenen Stucköfen („Rennwerke“, „Waldschmieden“).

Schmiede aus dem 13./14. Jh. in Wissenbach

Die Weiterverarbeitung des Roheisens erfolgte in der näheren Umgebung der Rennöfen. So wurde bei Grabungen eine Schmiede aus dem 13./14. Jh. in Wissenbach gefunden und die erste Hütte mit Schmelzofen ist schon 1416 in Steinbrücken erwähnt. Der älteste Hochofen im oberen Dillgebiet stand ab 1587 in Neuhütte bei Ewersbach. Ab Beginn des 20. Jh. wurden die Hochöfen deutlich größer und leistungsfähiger und, statt Holzkohle, nun mit Koks betrieben. Daher verlagerte sich die Eisenverhüttung allmählich in die Gebiete der Steinkohlelagerstätten. Somit ins Ruhrgebiet und ins Saarland. Die Eisen- und Stahlverarbeitung ist, mit vielen Nachfolgebetrieben, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor an Dill und Dietzhölze geblieben.

Bürgermeister Andreas Thomas (r.) überreichte Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel Ewersbacher Honig als kleine Erinnerung an die Zeit seiner Feldforschungen im Dietzhölzetal. Foto: Jürgen Reichel

Prof. Dr. Jockenhövel wird Ehrenmitglied
„Wir profitieren stark von unserem Mitglied Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel und seinen wissenschaftlichen Forschungen, daher verleihe ich ihm die Ehrenmitgliedschaft in der Geschichtswerkstatt“, so die lobenden Worte des 1. Vorsitzenden, Dr. Georg Schwedes.

Dr. Georg Schwedes (r.), verleiht Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel die Ehrenmitgliedschaft. Foto: Jürgen Reichel